Arno Steguweit ist seit 100 Tagen der neue Bürgermeister von Glienicke/Nordbahn. Die Pressestelle hat ein Interview mit ihm gemacht.
Wie waren die ersten 100 Tage für Sie?
Arno Steguweit: Ich bin sehr dankbar. Die Mitarbeiter in der Verwaltung arbeiten gut und sind motiviert. Sie haben mich sehr freundlich aufgenommen. Es gab natürlich sofort viele Termine und Aufgaben. Aber ich habe gemerkt: Wir sind ein gutes Team. Wir wollen alle das Beste für Glienicke tun.
Sie haben am Anfang drei wichtige Wörter genannt: „Frischer Wind“, „Brücken bauen“ und „Hospitation“. Was meinen Sie damit?
Arno Steguweit: Diese drei Wörter beschreiben meinen Start:
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Frischer Wind: Ich will nicht alles verändern. Aber ich möchte neue Ideen einbringen und Dinge verbessern.
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Brücken bauen: Ich möchte die Menschen zusammenbringen. Zum Beispiel die Politiker, die Bürger, die Vereine und die Firmen. Alle sollen besser miteinander reden.
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Hospitation: Das bedeutet: Ich habe mir die Arbeit vor Ort angeschaut. Ich wollte nicht nur Berichte im Büro lesen.
Sie haben die Kitas, den Hort, die Bibliothek und den Bauhof besucht. Was haben Sie dort gelernt?
Arno Steguweit: Ich habe großen Respekt vor dieser Arbeit. Viele Menschen merken erst, wie wichtig diese Arbeit ist, wenn etwas nicht klappt. Zum Beispiel, wenn im Winter der Schnee nicht geräumt wird. Mir war es wichtig, direkt mit den Mitarbeitern zu sprechen.
Gab es auch Überraschungen?
Arno Steguweit: Ja, eine positive Überraschung: Die Mitarbeiter haben sich sehr schnell auf meine neuen Ideen eingelassen. Sie wollen mitmachen und Dinge anpacken.
Sie sagen: Die Verwaltung soll weniger reagieren und mehr agieren. Was bedeutet das?
Arno Steguweit: Oft gibt es plötzliche Probleme, Beschwerden oder neue Gesetze. Dann muss die Verwaltung schnell antworten. Das nennt man reagieren. Man verliert dabei aber leicht die großen Ziele aus den Augen. Ich möchte, dass wir agieren. Das bedeutet: Wir planen lieber im Voraus und arbeiten mit einem klaren Plan.
Haben Sie dafür ein Beispiel?
Arno Steguweit: Ja, es geht um das Geld von der Gemeinde. Das nennt man Haushalt. Die verschiedenen Bereiche der Verwaltung dürfen nicht mehr nur für sich selbst planen. Wir müssen uns zusammen fragen:
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Was ist besonders wichtig?
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Was können wir bezahlen?
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Was muss warten? Wir müssen auch ehrlich sagen, wenn Geld für eine Sache fehlt.
Sie sprechen von einer „Investitions-Bugwelle“. Was ist das?
Arno Steguweit: Eine Bugwelle ist die Welle vor einem Schiff. Hier bedeutet es: Glienicke hat viele Aufgaben vor sich hergeschoben. Wir müssen in den nächsten Jahren fast 10 Millionen Euro ausgeben. Zum Beispiel für Gebäude und Straßen. Das ist viel Arbeit. Wir müssen diese Aufgaben jetzt nach der Wichtigkeit sortieren.
Müssen deshalb Projekte verschoben werden?
Arno Steguweit: Ja. Wir können nicht alles auf einmal machen. Wir müssen entscheiden: Was ist dringend? Was ist wichtig? Und was ist nur ein Wunsch? Wir müssen ehrlich sagen, was wir schaffen können und was nicht. Sonst sind die Bürger am Ende enttäuscht.
Ein wichtiges Projekt ist das „Haus 6“. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Arno Steguweit: Es geht dabei um die Schule, die Betreuung der Kinder und um Sicherheit. Das ist wichtig für viele Familien in Glienicke. Deshalb hat dieses Projekt für mich oberste Priorität.
Über „Haus 6“ wird schon lange geredet. Was muss jetzt passieren?
Arno Steguweit: Wir müssen endlich eine Entscheidung treffen. Wir haben gute Pläne. Jetzt brauchen wir das Geld und die Zustimmung der Politik. Wir dürfen nicht mehr nur planen. Wir müssen endlich bauen.
Ist es schwer, schnell und trotzdem gründlich zu sein?
Arno Steguweit: Ja, das ist genau die Schwierigkeit. Nur schnell sein ist schlecht. Nur gründlich sein dauert zu lange. Bei Haus 6 müssen wir beides schaffen: gründlich planen und schnell entscheiden.
Was bedeutet „Brücken bauen“ für die Politik?
Arno Steguweit: Es bedeutet, dass man auch bei verschiedenen Meinungen miteinander redet. Man darf Streit nicht einfach verstecken. Man muss Unterschiede benennen. Aber am Ende müssen wir eine Lösung finden. Die Bürger wollen, dass die Politik und die Verwaltung gute Arbeit machen.
Was erwarten Sie von den Politikern in der Gemeinde?
Arno Steguweit: Dass wir für die großen Themen gemeinsam die Verantwortung übernehmen. Die Verwaltung bereitet alles vor. Aber die Politiker müssen am Ende entscheiden. Wir brauchen Klarheit für die Zukunft von Glienicke.
Sie haben sich auch schnell um die Post und den DHL-Paketshop gekümmert. Warum?
Arno Steguweit: Weil eine Post für alle Menschen im Alltag wichtig ist. Besonders für ältere Menschen, Familien und Firmen. Eine Gemeinde braucht eine verlässliche Post.
Was haben Sie bei der Post erreicht?
Arno Steguweit: Wir haben früh mit den Chefs der Post gesprochen. Es gibt noch keine fertige Lösung. Aber es war wichtig, rechtzeitig zu handeln. Wir wollen eine gute Lösung für Glienicke finden.
Sie haben auch mit Bauträgern gesprochen. Das sind Firmen, die Häuser bauen. Warum?
Arno Steguweit: In Glienicke wird viel gebaut. Das verändert den Verkehr, die Natur und das Aussehen vom Ort. Wenn man erst redet, wenn es Streit gibt, ist es zu spät. Wir müssen von Anfang an miteinander sprechen.
Bedeutet das, dass jetzt mehr gebaut wird?
Arno Steguweit: Nein. Es bedeutet mehr Klarheit. Wir müssen den Firmen sagen, was zu Glienicke passt und was nicht. Glienicke soll wachsen, aber mit Maß und Ziel.
Sie haben viele Bürger, Vereine und den Seniorenbeirat getroffen. Was haben Sie mitgenommen?
Arno Steguweit: Das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen. Man versteht Probleme viel besser, wenn man direkt mit den betroffenen Menschen spricht.
Ein Beispiel war der Jugend-Haushalt im Jugend-Club „First Floor“.
Arno Steguweit: Ja, das war toll! Die Jugendlichen durften selbst Vorschläge machen und abstimmen. Sie haben selbst entschieden, wofür Geld ausgegeben wird. So lernen junge Menschen, wie Demokratie funktioniert. Das müssen wir weiter unterstützen.
Und das Treffen mit dem Senioren-Beirat?
Arno Steguweit: Das war mir auch sehr wichtig. Glienicke soll für alle Generationen gut sein. Für Kinder genauso wie für ältere Menschen. Beim Senioren-Beirat geht es zum Beispiel um Barrierefreiheit. Das bedeutet: Ältere Menschen sollen überall gut hinkommen können, zum Beispiel ohne Treppen.
Welche Rolle spielen Vereine und Firmen?
Arno Steguweit: Eine sehr große Rolle. Vereine halten die Gemeinde zusammen. Sportvereine bringen Menschen zusammen. Firmen geben den Menschen Arbeit und verkaufen wichtige Dinge vor Ort. Ich will mit ihnen immer im Gespräch bleiben.
Was ist nach den 100 Tagen noch zu tun?
Arno Steguweit: Sehr viel. Die großen Probleme kann man nicht in 100 Tagen lösen. Das Geld-Problem bleibt, das Haus 6 muss gebaut werden und die Post ist noch nicht fertig. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.
Ist ein Bericht nach 100 Tagen überhaupt sinnvoll?
Arno Steguweit: Ja. Es ist kein Endergebnis. Es ist eine Prüfung: Wo stehen wir jetzt? Nach 100 Tagen gibt es noch keine fertigen Gebäude. Aber man sieht, in welche Richtung wir gehen wollen.
In welche Richtung soll es gehen?
Arno Steguweit: Wir wollen mutig handeln. Wir wollen Entscheidungen treffen. Wir wollen die Bürger frühzeitig informieren und einbinden. Und wir wollen auch ehrlich sagen, wenn etwas schwierig ist.
Wie fühlen Sie sich persönlich nach den ersten 100 Tagen?
Arno Steguweit: Ich bin gut im neuen Amt angekommen. Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe. Aber ich bin auch sehr sicher, dass wir das schaffen. Denn in unserer Verwaltung und in unserer Gemeinde gibt es viele fähige Menschen.
Bitte fassen Sie die ersten 100 Tage in einem Satz zusammen.
Arno Steguweit: Wir haben angefangen, Probleme anzupacken, Menschen zusammenzubringen und Glienicke wieder stark für die Zukunft zu machen.